Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Nasszelle … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 13.02.2018

566_Die Nachrichtenlage

Die Nachrichten nerven. Immer nur und ständig GroKo, Brexit, Trump. Tut mir leid, aber ich kann es nicht mehr hören. Doch die Redaktionen lassen nicht nach in ihrem Bemühen, mich über die Große Koalition, den Brexit und die neuesten Dummheiten des amerikanischen Präsidenten zu informieren. Manchmal scheint es mir, als hörte oder sähe ich eine kleine Scham, wenn ich die Nachrichten im Fernsehen anschaue oder im Radio höre oder in der Zeitung lese. Ich denke dann, dass die armen Menschen, die die Nachrichten schreiben und verlesen müssen, viel lieber ganz andere Texte verläsen, wenn sie dürften. Das geht aber nicht, so ist das nun einmal: Das allerwichtigste muss nun einmal an den Anfang, dann Inland, dann Ausland, Wirtschaft, Kultur und Sport. Und wer bestimmt, was am Wichtigsten ist: Die Chefs in den Redaktionen.
Wie es wohl wäre, wenn die Tagesschau eine neue Chefin bekäme, die auf die Regeln pfeifte? Wie würde sie wohl aussehen, die Tagesschau um zwanzig Uhr, wenn sie zum Beispiel von Annemie Brötzke aus Oberursel verantwortet würde. Wahrscheinlich würde die Sendung beginnen wie immer. Die Stimme aus dem Off sagte: „Hier ist das erste deutsche Fernsehen mit der Tagesschau.“ Und dann käme Frau Brötzke. Und der Rest ginge dann so: „Guten Abend meine Damen und Herren, ich begrüße sie zur Tagesschau. Das Gymnasium in Bad Tölz bekommt ein Marimbaphon. Auf diese Weise können nun auch Schlagzeug spielende Schülerinnen und Schüler Melodien spielen. Das Marimbaphon ähnelt einem Xylophon, allerdings hat es Resonanzrohre, was den Klang voller und wärmer macht. Wir schalten jetzt nach Bad Tölz, wo mein Kollege Rudi Zapf vor dem Gymnasium steht. Rudi: Ist denn das Marimbaphon schon angekommen?“
Nun sieht man einen Reporter, eine Hand am Mikrophon, die andere am Ohr, offenbar gibt es Probleme mit der Leitung. Frau Brötzke sagt: „Rudi Zapf in Bad Tölz, hören sie mich?“ Rudi Zapf sieht in die Kamera und sagt: „Ich habe die Frage nicht verstanden, aber das Marimbaphon kam eben an den wartenden Journalisten vorbei. Es wurde in einem großen, Ja, Lieferwagen kann man schon sagen, bis an die Tür gefahren. Wenig später hörte man Geräusche, die ganz offensichtlich durch Schläge auf das Instrument hervorgerufen wurden.“ Frau Brötzke sagt: „Danke Rudi Zapf nach Bad Tölz. Wir werden sie über den Fortgang der Marimbaphonlieferung in das Gymnasium weiter auf dem Laufenden halten. Direkt im Anschluss an diese Tagesschau sendet das Erste daher einen Brennpunkt. Die nachfolgenden Sendungen verschieben sich dadurch um etwa 45 Minuten.
Und damit ins Ausland: In der amerikanischen Gemeinde Kalkaska im Bundestaat Michigan ereignete sich heute beinahe ein Banküberfall. Der Fast-Bankräuber Orchy Bloomer überlegte es sich jedoch noch einmal anders, besichtigte stattdessen das nationale Karpfendenkmal und aß später ein Stück Kürbiskuchen, von dem er einen heftigen Schluckauf bekam. Die Behörden berichteten, dass Bloomer bereits wieder wohlauf sei und gerne im Sommer einmal seine Tante in Idaho besuchen wolle.
Zum Sport: „Der tote Rentner Willi Flücke siegte bei den Duisburger Stadtmeisterschaften im Dauerskat. Seine Kontrahenten hatten über fünf Wochen lang darauf gewartet, dass Flücke neue Karten gibt und waren schließlich heute Mittag entnervt aufgestanden, wodurch Flücke automatisch zum Gewinner erklärt wurde. Erst kurz vor der Siegerehrung stellten die Organisatoren des Turniers fest, dass der 78jährige Flücke offenbar bereits im Dezember während des Spiels friedlich entschlafen war. Und nun das Wetter für Montag, den 12. Februar.“ Und dann käme aber keine Deutschlandkarte, weil die im Winter immer so trist aussieht, sondern ein Katzenbild. Und eine Stimme sagte: „Morgen wird es kühler als im August, aber wärmer als gedacht. Übermorgen auch, danach weiß man nicht so genau. Es weht ein Wind, wer soll es ihm verdenken.“
Ich gebe zu, es wären nicht unbedingt bessere Nachrichten. Aber wenigstens mal Andere. Ohne diese lästige Groko, den langweiligen Brexit und den blöden Trump.