Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Nachbar … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 06.12.2007

34_Geschenke für die Leser

Es ist an der Zeit, Geschenke zu machen. Benebelt von Glühwein und milde von Zimt möchte ich Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser dieser kleinen Kolumne, zum Dank für Ihre Treue und weil ich selber geschäftstüchtig wie ein Zoo-Pelikan bin, Milliarden Euro schenken. Und zwar in Gestalt von zwei unglaublichen Geschäftsideen. Nichts ist in unserer Zeit wertvoller als eine Geschäftsidee. Ich könnte auch jedem von Ihnen ein Brokatkissen kaufen oder Ihnen meine Sammlung vertrockneter Printen überlassen, aber das würde weder Sie noch mich langfristig wärmen. Also hier die beiden Business-Modelle, mit denen Sie steinreich werden können, wenn Sie ganz schnell sind.
Geschenk Nummer eins erfordert ein gewisses Startkapital (so um die 300 Millionen Euro) sowie handwerkliche Begabung. Aber der Ertrag ist enorm und man wird sie preisen und lieben und auf Händen durch sämtliche Flughafen-Terminals der Welt tragen, denn mit Ihrem Angebot beenden Sie den größten Missstand des Flugverkehrs. Dieser besteht in der widerlichen Ein– und Aussteigerei beim Fliegen. Die Menschen drängeln, schubsen, machen sich wichtig, ziehen einem ihre Trolleys über die Füße und ihre Mäntel durchs Gesicht. Man bekommt es fast durchweg mit Idioten zu tun, denen beim Securitycheck das Hirn weggeröntgt wurde. Boarding bringt das schlimmste im Menschen zum Vorschein, es ist wie Krieg. Und damit ist jetzt Schluss. Frieden naht, wenn Sie wollen.
Die Idee dazu ist – wie jede große Idee – total simpel und heißt „Easy Boarding Organisation Landing Acronym“ (EBOLA). Gut, der Name ist noch optimierbar. Das wichtigste an EBOLA sind die Passagiersessel. Diese befinden sich nämlich nicht im Flugzeug, sondern im Warteraum. Auf Ihrem Ticket steht nach wie vor eine Platznummer, zum Beispiel „18 A.“ Sie ziehen das Ticket durch einen Kartenleser an der Armlehne, verstauen Ihr Handgepäck in einer Schublade unter dem Sitz, setzten sich hin und warten, bis Ihr Flug aufgerufen wird. Wenn nun das Boarding beginnt, fährt Ihr Sessel auf einer Schiene zum Gate. Dort reiht er sich ein und nun zuckeln Sie wie alle Passagiere ins Flugzeug, wo ihr Sitz von selber zu „18 A“ fährt. Kein blödes Rumstehen im so genannten Finger. Kein Gedrängel im Flieger und auch kein Geschubse von der Armlehne, denn jeder Fluggast bekommt zwei. Wenn der Flug nicht ausgebucht ist, fahren nicht alle Sitze in die Maschine, es bleibt also Platz für ein paar Yoga-Übungen auf dem Flug München-Hamburg und die Fluggesellschaft spart Sprit, weil das Flugzeug weniger wiegt.
Auch das Aussteigen gerät glamourös, denn niemand muss mehr in fötal-verkrampfter Haltung darauf warten, bis der Nebenmann im Handgemenge den Wintermantel aus der Ablage gezerrt hat. Stattdessen gleitet man fröhlich wie bei der Seniorenheim-Polonäse im Stuhl aus dem Flugzeug. Wie sieht’s aus? Ist das nicht wunderbar? Sie haben kein Geld für EBOLA? Dann überlasse ich Ihnen eben eine andere Idee. Ich habe sie selber gerade geschenkt bekommen, und zwar von der reizenden Frau Puri aus Hamburg. Sie pfeift aber auf die Milliarden und ich auch. Wir wollen, dass es Ihnen gut geht.
Also: Gründen Sie Youreise. Genau wie bei Youtube bekommt man bei Youreise Filmchen zu sehen. Diese stammen von Reisenden, welche ihre Videos hochladen, auf das jeder sehen kann, wie es in Perth, Bad Gastein oder Uppsala aussieht. Jeder, der gerne nach Bolivien möchte, kann sich dutzende von Reiseclips über Bolivien ansehen. Es gibt auch Videos von Hoteltoiletten in Zürich oder dem Campingplatz von Nizza oder von der Akropolis – sowohl der in Pinneberg als auch der in Griechenland. In Pinneberg sind die Pommes besser.
Alles, was Sie brauchen, ist ein bisschen Programmiergeschick oder einen Bekannten, den sie dafür bisher verachtet haben. Jeder, absolut jeder Reiseveranstalter wird bei Ihnen werben. Aber schnell, schnell, beeilen Sie sich, bevor Ihnen jemand zuvor kommt. Oder machen Sie es wie ich: Kochen Sie einen Kaffee, zucken Sie mit den Schultern und denken sich: Schade, dass es auf dieser Welt gar keine Geheimnisse mehr gibt. Ach Internet, Wunderhorn des Blödsinns und des Überfluss’.