Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Buntbarschboy … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 27.12.2007

37_Extraterrestrische Grüße

Auf die Frage, warum er so alt geworden sei, pflegt mein 95 Jahre alter Großvater zu antworten: „Weil ich so viel Zeit hatte, mich darauf vorzubereiten.“ Hammersatz! Manche Menschen brauchen schon Jahre dafür, sich so etwas auszudenken. Jedenfalls hat er Recht. Vorbereitung ist das A und O eines erfolgreichen Lebenswandels. Wer es zu etwas bringen will, muss immer für alle Fährnisse gewappnet sein.
Die Menschheit bereitet sich zum Beispiel seit vielen Jahren auf die Begegnung mit Außerirdischen vor und sendet von Zeit zu Zeit ganz ernsthaft Informationen ins All, damit extraterrestrische Wesen wissen, mit wem sie es auf diesem Planeten zu tun haben. Der kanadische Astrophysiker Yvan Dutil hat sich nun diese Botschaften vorgenommen und ein vernichtendes Urteil gefällt: Die Erdlinge sind den anderen Bewohnern des Weltraums zu langweilig. Niemand will mit uns Kontakt aufnehmen, weil wir total öde Weltraum-Mails verschicken, welche bloß ganz nüchtern Angaben über physikalische und chemische Eigenschaften der Erde enthalten. Bei dieser staubtrockenen Art der Kontaktanbahnung sei es kein Wunder, wenn nie ein Gruß zurückkäme, findet Dutil und macht neue Vorschläge. Seiner Ansicht nach solle man lieber Infobriefe zu den Themen Demokratie, Nachhaltigkeit, fairer Handel und Selbstregulierung sozialer Netzwerke versenden.
Ob das die Außerirdischen elektrisiert, bleibt abzuwarten. Es dauert auch ein Weilchen, bis ihre Antworten bei uns eintreffen, ein paar hundert bis mehrere zehntausend Jahre. Außerdem ist nicht damit zu rechnen, dass sie wesentlich interessantere Mitteilungen machen als Herr Dutil. Ein wirklich gutes Panacotta-Rezept ist von dem Bewohner eines weit entlegenen Sonnensystems jedenfalls kaum zu erwarten.
Auch ich bin ständig dabei, mich für irgendwas vorzubereiten. Neulich erhielt ich zum Beispiel eine Einladung zu einer Pokerrunde. Ich kann nicht pokern und es interessiert mich auch nicht. Außerdem handelte es sich um Strippoker. Nach einer ersten Panikattacke wurde mir allerdings klar, dass auch hierbei nicht Glück oder Pech über den Erfolg entscheidet. Auch beim Strippoker ist Vorbereitung Trumpf. Ich plante also, zehn Paar Strümpfe anzuziehen, um meine Gegner zu verblüffen. Leider wurde ich krank und trug die Strümpfe dann im Bett.
Unser ganzer Kontinent bereitet sich zurzeit auf die Fußball-Europameisterschaft vor, besonders in der Schweiz und Österreich. Gerade habe ich gelesen, dass die EM eigentlich eine WM ohne Argentinien und Brasilien sei. Das hat mir gut gefallen. Vermutlich wird sie bereits nach einer Woche eine WM ohne Brasilien, Argentinien, Österreich und die Schweiz sein. In den zuletzt genannten Ländern sollte man überhaupt nicht Fußballspielen. Dieser Sport mit seinem Bedarf nach ebener Fläche taugt nicht für die Alpen. Ein Rasensport, der hingegen auch in Hanglagen Freude bereitet, ist das so genannte Kuhfladen-Bingo. Dabei werden auf einer Wiese gleich große Quadrate eingezeichnet und man kann darauf wetten, in welches Feld die Kuh kotet. Das spielen sie gerne in der Schweiz. Jetzt muss man sich mal vorstellen, was passieren würde, wenn die Außerirdischen genau in dem Augenblick auf der Wiese landen würden, in welchem die Kuh unter großer alpenländischer Anteilnahme ihren Haufen macht. Die Extrasolaren müssten doch glauben, die Erdlinge hätten nicht mehr alle am Sender. Aber das stimmt ja auch in vielen Fällen.
Übrigens sollte man sich gut überlegen, ob man überhaupt Kontakt will mit irgendwelchen daher geflogenen Außerirdischen. Womöglich haben sie keine guten Tischmanieren und wollen uns bloß unsere Rohstoffe und Pamela Anderson wegnehmen. Um Kontaktversuche von vornherein abzublocken, sollten wir nicht Monsieur Dutils langweilige, sondern lieber gleich richtig abschreckende Inhalte möglichst weit ins All senden. Ich empfehle die weltraumweite Ausstrahlung der „Musikantenscheune“ und von Fotos, die ein Pfund Blutwurst, Marilyn Manson sowie die Innenstadt von Hannover zeigen. Einsamkeit ist uns somit Gewiss.