Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Diätkenner … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 17.05.2007

5_Wohin in den Urlaub 2

Das Urlaubsthema blieb weiter spannend und beinahe ungelöst, bis ich eine Idee hatte, die ich für Super-Nanny-mäßig genial hielt. Ich forderte Sara, unsere Tochter Carla, unseren Sohn Nick und unser Au Pair-Mädchen Natalya auf, jeweils ihren Urlaubswunsch auf einen Zettel zu schreiben. Dann würde ich alle Stimmen auswerten und sehen, was womit eventuell in Übereinklang zu bringen war. Aus der Schnittmenge könnten wir dann gemeinsam das Urlaubsziel ableiten. Total demokratisch und fair. Also versammelte ich meine Lieben am Küchentisch und für eine gute Minute war es vollkommen ruhig bei uns zu Hause. Man sollte so etwas öfter machen. Ich sammelte die Zettel ein.
Meine Frau schrieb: „Ans Meer, nicht Italien,“ denn sie will mal woanders hin als zu ihren Verwandten. Clara schrieb: „Ans Mer von Italien,“ denn sie will nirgends hin als zu unseren Verwandten oder in den Märchenpark. Letzterer wurde aber schon in der letzten Runde abgeschmettert. Nick schrieb gar nichts, denn er kann noch nicht schreiben. Er malte einen Roboter, der mit einem Laserstrahl auf einen Mann schießt, dem davon der Kopf schmilzt. „Das ist aber ein schönes Bild,“ rief ich. „Wer ist denn der Mann?“ „Das bist Du,“ antwortete Nick und malte seinem Roboter ein drittes Bein. Natalyas Zettel enthielt die Worte „Schwarzes Meer.“ Ich selbst hatte geschrieben: „Entweder in die Berge oder Städtereise. Nicht ans Meer!!!“
„3:1,“ sagte Sara. „Alle wollen ans Meer. Ich fürchte, Du musst Dich damit abfinden.“ Ich sah einen Verbündeten suchend zu Nick herüber, aber der ist vier Jahre alt, eignet sich nicht für Koalitionen und hatte mir außerdem gerade den Kopf mit seiner Laserkanone weg geschmolzen. Sara hatte Recht, ich stand alleine da.
Sie war sehr zufrieden. „Jetzt müssen wir uns nur noch einigen, wo es genau hingehen soll. Ich sage nur: Nicht nach Italien, das ist meine einzige Bedingung.“
Natalya, die zwar nicht zur Familie gehört, aber dennoch stimmberechtigt ist, damit sie kein Trauma mit zurück in die Ukraine nimmt, begann einen längeren und schwer verständlichen Vortrag über Jalta und die Krim und die Abende bei Wein und Gitarrenspiel und der Herzlichkeit aller Ukrainer und der Möglichkeit, dort Kultur und Badeurlaub vollkommen selbstverständlich zu verbinden.
Nach zehn Minuten hob ich die Hand und sagte: „Lasst mich Euch von Südtirol überzeugen.“ Carla stand auf und ging an den Kühlschrank, Sara seufzte, Nick malte eine Rakete, die über dem Roboter brennende Bomben abwarf. Immerhin hörte Natalya aufmerksam zu, um dann freundlich darauf hinzuweisen, dass Berge und Meer in der Ukraine quasi in ein und demselben Urlaub zu haben seien.
Schließlich einigten wir uns auf eine Gegend, die bergig genug für mich, außerdem nahe am Meer ist und wo die Kinder gut spielen können: Mallorca. Zugegeben nicht die originellste Wahl, aber perfekt für fast alle. Natalya wurde 4:1 überstimmt.
Das Telefon klingelte, Antonio war dran, mein Schwiegervater.
„ Mein liebe Jung. Sager mal: Was maktihr in der Ferien?“
„Ich weiß es nicht,“ log ich. „Wir reden gerade drüber.“
„Musster nikt reden, habi schon getan. Ihr fahrt mituns.“
„Wohin?“
„Termoli! Diamantene Meer, tolle Strand, alles super.“
„Du, wir hatten überlegt, ob wir vielleicht einmal woanders hinfahren,“ wand ich mich wie ein Staatsminister im Untersuchungsausschuss.
„So? Wohin denn?“
„Vielleicht auf die Krim. Jalta, weißt Du?“
„Kenni nikt. Wasollda sein?“
„Das ist in der Ukraine.“
Antonio lachte und legte auf. Ich atmete tief durch. Wenn er rauskriegt, dass wir in Wirklichkeit nach Spanien fahren, wird es ernst. Überall hin, nur nicht nach Spanien. Eine schlimmere Beleidigung kennt er nicht. Bitte verraten Sie mich nicht.