Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Hoteltester … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 30.10.2008

81_Europas Lösung

Neulich in Darmstadt fiel mir plötzlich ein, wie man sämtliche europäische Probleme leichter lösen könnte. Warum ausgerechnet in Darmstadt? Weil ich dort in einem Hotel übernachtete, in welchem gerade eine Tagung abgehalten wurde. Die Teilnehmer waren vermutlich Gesandte von irgendwelchen Unternehmen und im Flur vor dem Konferenzraum stand ein Tisch mit Tee und Kaffee und Gebäck, damit die Leute in der Pause etwas hatten, woran sie sich festhalten konnten, während sie über die Referenten herzogen. Jedenfalls befand sich auf dem Büffet ein Schild und auf dem stand, um welches Thema es bei der Tagung ging. Das machen die so, damit nicht jemand von der Nachbartagung aus Versehen Kaffee trinkt, der nicht für ihn gebrüht wurde. Tatsächlich fanden mehrere Konferenzen von mehreren Firmen statt in diesem Hotel an diesem Tag. Jedenfalls stand auf dem Schildchen: „Netzleitstellen im Querverbund.“ Soso. Aha.
Worum es sich dabei wohl handeln mag? Das kann ja alles sein. Es könnte sich zum Beispiel um ein Anglersymposium handeln. Ideen zum Querangeln im Verein. Oder: Das Netz der Bahn, im Querverbund über Leitstellen verknüpft. Klingt langweilig, aber nach Mehdorn. Oder was mit dem Stromnetz. Aber was ist ein Querverbund? Eventuell etwas europäisches. Das könnte sein, bei diesem Thema herrscht immerhin noch großer Diskussionsbedarf, in punkto Strom wächst Europa noch gar nicht richtig zusammen: Nach wie vor existiert keine europaweite Norm für Steckdosen. Vielleicht ging es bei der Tagung also um die Vereinheitlichung der Steckdose im Querverbund der europäischen Mitgliedsstaaten über neu zu schaffende Netzleitstellen.
Diese zu connecten, wie der Fachmann sagt, ist eine der großen letzten Aufgaben und wir werden noch Generationen von Politikern und Starkstromtechnikern dafür brauchen. Woran das liegt? Meine These: Unterschiedliche Auffassungen in den Netzen und ein evidentes Verständigungsproblem sprachlicher Art. Die Amtssprachen sind französisch, englisch und deutsch, für alle anderen Europa-Politiker muss ständig alles übersetzt werden. Stellen wir uns also vor, der deutsche Teilnehmer der Tagung „Netzleitstellen im Querverbund“ möchte etwas ganz wichtiges sagen, zum Beispiel: „Herrschaften, es muss mal raus: Wir in Deutschland haben überall, nicht nur in den Netzleitstellen, ganz dufte Steckdosen. Die Sicherungen fliegen niemandem um die Ohren, nichts flackert und selbst am heiligen Abend leuchtet das ganze Land wie ein ukrainischer Wiesenchampignon nach Tschernobyl. Eure italienischen oder portugiesischen Steckdosen sind doch Kinderkram. Und dann diese dreipoligen Stecker. Hihi! Zum Piepen! Ich schlage also vor, dass alle Länder ab morgen deutsche Steckdosen und Stecker benutzen. Sie können draußen an der Kaffeetafel gleich welche mitnehmen für sich zuhause.“
Was passiert nun mit dieser Rede im europäischen Querverbund? Sie wird in alle Teilnehmersprachen übersetzt und darin besteht die Wurzel allen Übels. Wir benötigen dringend eine gemeinsame Sprache in Europa, denn das klappt ja überhaupt nicht. Beweis gefällig? Ich habe den Text des deutschen Wortbeitrages in ein Übersetzungsprogramm gegeben. Erst vom Deutschen ins Französische, dann von dort ins Italienische, anschließend ins Englische, danach ins Französische und schließlich wieder ins Deutsche. Hier das erschütternde Ergebnis: „Das Pouvoirs muss die l’zeit messen; Außenseite: Uns in Deutschland n‘ ; wir haben n‘ importiert, wo nicht nur in den deutlichen Direktionen wir fühlen gänzlich genommen. Die Garantien fliegen niemanden um die Anhörungen, nichts tremola und auch das, was santificador an l‘ ist; Nachmittag glänzt das vollständige Land wie Wiesenchampignon ukrainisch in Tschernobyl. Italienisches oder portugiesisches genommenes seines ist allerdings Kinderkram. UND dann diese Dreipol- es vom Stöpsel. Um den Signalton zu machen! I l‘ deutsches Angebot und alle Länder, die d‘ beginnen; Benutzung und der morgen genommene Stöpsel. Sie können zur Kaffeeverkleidung draußen tragen; er hält sich am Haus an.“
Ja. Da kann man doch nur den Kopf schütteln. Kein Wunder, dass der deutsche Antrag einstimmig abgelehnt wird. Quo vadis, Europa, quo vadis?