Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Bahn-Opfer … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 03.03.2010

153_Dümpeln in Tümpeln

Natürlich fragt man sich zwischendurch, was in der eigenen Frau so vorgeht. Vieles, was da an Gedanken so pulst, erzählt sie gar nicht mir, sondern ihren Freundinnen am Telefon oder auf Spaziergängen oder bei uns in der Küche. Um wenigstens ein kleines bisschen auf dem Laufenden zu bleiben husche ich kurz vorbei, sage brav Guten Tag und verschwinde wieder. Dabei nehme ich heimlich Gesprächsfetzen mit. Neulich zum Beispiel hörte ich – eine Mineralwasserflasche unter dem Arm und die Öhrchen fein gespitzt – folgende Sentenz aus dem Munde meiner Gattin: „Ich hätte ja gerne einen Schwimmteich, aber da kriege ich ihn nie hin.“
Da hat sie Recht. In einen Schwimmteich zu steigen ist wie in Miso-Suppe zu baden. Komischerweise finden alle Frauen das romantisch. Sie möchten beim Schwimmen grünes Wasser runterschlucken, allerlei Kleingetier aufwühlen und mit den Zehen Schlamm durchwalken. Die Vorstellung, mit einem Seerosenblatt auf dem Kopf dem eigenen Tümpel zu entsteigen macht meine Frau ganz wuschig. Sehr merkwürdig. Mir kann Badewasser gar nicht genug gechlort sein.
Der interessantere Teil des aufgeschnappten Satzes ist übrigens nicht dessen erste Hälfte, sondern die zweite: „Aber da kriege ich ihn nie hin.“ Das versetzt mich in erhöhte Alarmbereitschaft, denn es steht zu erwarten, dass ich über kurz oder lang in Sachen Schwimmteich weich gekocht werden soll. Man muss sich diesen Vorgang so vorstellen: Vermutlich werden wir demnächst irgendeine Freundin mit Schwimmteich besuchen. Danach wird wochenlang eine Schwimmteich-Zeitschrift bei uns herumliegen. Schließlich wird Sara aus heiterem Himmel eines Tages mitteilen, dass sie wahnsinnig gerne schwimmen gehen würde, und zwar draußen im Garten. Ich antworte, dass man dafür einen Swimming Pool brauche und wir keinen besäßen. Sie wird leise seufzen, dass man ja einen Pool bauen könne. „Kommt nicht in Frage“ werde ich im Haushaltsvorstandston rufen. „Wir wohnen zur Miete, die Investition bekommen wir nie wieder zurück. Und außerdem haben wir auch gar keinen Platz für einen Swimming Pool. Es sei denn, wir reißen einen Teil des Hauses ab, aber das gehört uns ja nicht.“ Und damit wird das Thema für mich erledigt sein.
Sara wird einen Tag warten oder zwei. Dann wird sie völlig unvermittelt erwähnen, dass wir doch bei ihrer Freundin Susanne gewesen seien und die habe einen Schwimmteich. Dieser stelle eine günstige Alternative dar, eine Art Kompromiss zu dem Pool, den ich haben wolle.
„Aber ich will doch gar keinen Pool,“ werde ich sagen, dann diskutieren wir, ich vergesse was ich gesagt habe oder bringe alles durcheinander und bereits vier Wochen später nimmt Sara ihr erstes Bad zwischen Algen, Froschlurchen, Schnecken und begeisterten Nachbarinnen.
Genau so wird’s kommen.
Mein Versuch, sie mit ihrer eigenen Salamitaktik zu schlagen, ging übrigens kürzlich schwer daneben. Es war wie in dem Roman „Sonntag“ von Georges Simenon. Darin versucht ein Koch, seine Frau umzubringen und zweigt dafür über einen längeren Zeitraum heimlich winzigste Mengen Arsen vom Rattengift ab, um sie eines Sonntags in ihr Risotto zu mischen. Und obwohl er fast schon paranoid vorsichtig handelt und eigentlich vollkommen sicher sein kann, dass sie das Reisgericht ohne den Hauch eines Verdachts essen wird, macht sie genau dies nicht. Weil sie ganz genau weiß, dass ihr Mann sie an diesem Tag vergiften will. Sie durchschaut seinen am Ende erbärmlichen Plan in Wahrheit schon seit Monaten ohne ihm das zu zeigen, denn sie kann wie alle Frauen Gedanken lesen, was wohl auch nicht schwer ist, denn Männer haben offenbar keine besonders gute Firewall in der Birne.
Letzte Woche sagte ich also ganz beiläufig, dass unser Fernseher sehr lange zum Umschalten brauche. Und Sara antwortete: „Wir brauchen keinen HD-Fernseher mit 100-Hertz-Technik und eingebautem Sat-Receiver.“ Ich möchte mal wissen, woher sie weiß, dass es genau darum geht. Ich habe nie darüber gesprochen.