Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Kinokartenverlierer … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 02.08.2010

174_Europa aus dem Kopf (1)

Portugal, Österreich und Bulgarien

In den nächsten sechs Wochen spielen wir ein kleines Spiel. Was fällt einem spontan zu einem Stichwort ein? Man darf alles notieren, was durchs Hirn rauscht, aber: Nach zwanzig Sekunden ist Schluss. Es gilt nur, was bis dahin auf dem Papier steht. Man kann dieses Partyspiel mit Schauspielern, Automarken oder Jahrzehnten spielen; wir machen das mit den Mitgliedsstaaten der EU. Also los! Vorurteile und Klischees sind ausdrücklich erlaubt bei diesem Gedankenspiel, denn sonst kommt in zwanzig Sekunden nichts zusammen.
Portugal heißt das kleine Land, das im Westen an Spanien klebt und den Spaniern auf einigen hundert Kilometern den Sonnenuntergang am Meer vermiest, denn Spanien besitzt überall dort keinen Strand, wo es an Portugal grenzt. Das Land hat passablen Wein, passable Fußballer sowie eine ungeheuerlich schlecht gelaunte Musikrichtung namens Fado hervorgebracht. Die Landessprache war früher Hauptexportgut und verhält sich zu spanisch in etwa wie Holländisch zu Deutsch. Was noch? Lissabon natürlich. Soll nach Auskunft von Freunden überwiegend hässlich sein. Im Norden liegt noch Porto, dass man von der Champion’s League kennt. Möglich, dass Porto das portugiesische Wort für Briefmarke ist. Unwahrscheinlich, dass Portugiese das portugiesische Wort für Briefträger ist. Jemand erzählte mir, dass die Portugiesen ziemlich klein seien. Ob das am Essen liegt, weiß ich aber nicht, denn ich war nur einmal beim Portugiesen essen und empfand keine deutliche Schrumpfung. Aber das Restaurant war auch nicht in Portugal, sondern in Hamburg.
In Österreich mögen sie dicke kleine Pferde, die sie Lipizzaner nennen. Wenn ein Lipizzaner stirbt, schneidet man ihn in Scheiben, dreht ihn durch eine Walze und serviert ihn im Wiener Traditionslokal Figlmüller als Kalbsschnitzel. Berühmte Österreicher: Adolf Hitler, Kurt Waldheim, Arnold Schwarzenegger, Georg Danzer, Falco, Toni Polster, Sissi. Mozart hingegen war kein Österreicher, sondern Salzburger, denn die Stadt gehörte damals nicht zu Österreich. Es fällt aber auf, dass die meisten berühmten Österreicher bereits tot sind. Die Österreicher nennen die Deutschen Piefkes und mancherorts verlangen sie unterschiedliche Preise für Kuchen, je nachdem ob man ihn als Piefke bestellt oder als Österreicher. Die nur langsam abnehmende Bereitschaft der Deutschen, sich im Österreich-Urlaub von Mitarbeitern der Tourismusbranche demütigen zu lassen ist ein Wunder von ähnlicher Einprägsamkeit wie Salzburger Nockerln, die man überleben kann, wenn man direkt anschließend einen halben Liter Obstler zu sich nimmt. In Wahrheit ist Österreich gar nicht so klein, wie man immer glaubt. Das Land wäre beinahe halb so groß wie Frankreich, wenn man es mal so straff ziehen würde wie die Bettlaken im Hotel Sacher. Allerdings müssten dann die Skihütten schließen, denn niemand hat Lust, im Flachland Ski zu fahren. Österreich war einmal begeisterter Teil des deutschen Reiches, wenn auch nur für kurze Zeit. Hinterher konnten sich die Österreicher jedenfalls kaum noch daran erinnern. Wenn man sie „Bergdeutsche“ nennt, flippen die Österreicher aus und verdoppeln die Autobahnmaut für deutsche Transitreisende. Ich war kürzlich in Wien und saß mit einem Mann im Auto, der mich in seine Lieblingsbar einlud, die „Jenseits“ hieß. Unterwegs stellte er fest, dass er kein Geld dabei hatte und sagte: „Egal. Im Jenseits kann ich anschreiben.“ So einen Satz kann überhaupt nur ein Wiener äußern.
Nun Bulgarien und damit zum schamvollen Eingeständnis, dass ich so gut wie gar nichts über Bulgarien weiß. Sie machen dort Joghurt. Aber wo, bitteschön, wird kein Joghurt gemacht? Die Hauptstadt heißt Sofia, die Farben der Landesfahne sind grün, weiß, rot. Das sind international sehr beliebte Landesfarben. Bulgarien befindet sich am schwarzen Meer und galt zu DDR-Zeiten als beliebtes Reiseziel der Ostdeutschen. Nördlich liegt Rumänien, südlich die Türkei. Erinnerlich sind mir außerdem schnauzbärtige Kugelstoßerinnen bei diversen Olympischen Spielen, die ich irgendwie mit Bulgarien in Zusammenhang bringe. Ich glaube, Bulgarien muss dringend an seiner PR arbeiten.
Nächste Woche: Malta, Griechenland und Irland