Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Textpolizist … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 09.08.2010

175_Europa aus dem Kopf (2)

Malta, Griechenland und Irland

Zweiter Teil unserer kleinen Sommerserie. Was fällt einem ganz spontan in zwanzig Sekunden zu den Mitgliedsstaaten der EU ein?
Bei Malta ist das nicht viel. Aber Malta ist ein grundsympathischer Ort, weil man immer sofort an Hilfsdienste und Schnaps denkt, wenn die Rede auf Malta kommt. Zugegebenermaßen kommt man im Gespräch eigentlich nie auf Malta. Die Amtssprache ist englisch. Vielleicht können die sich keine eigenen Schulbücher leisten und benutzen daher Gebrauchte aus England. Malta liegt unterhalb von Sizilien im Meer herum und welchen Nutzen Europa für Malta hat und welchen Malta für Europa, vermag ich nicht zu beurteilen.
Weiter geht es mit Griechenland. Heimat von Aischylos, Diogenes, Aristoteles, Onassis, Demokrit, Platon, Sokrates und Cordalis. Die Griechen werden seit Jahrhunderten für ihren angenehm unprätentiösen Einrichtungsstil (weiß, blau, gern grob lackiert) und die überbordene Gastfreundschaft geschätzt. Die Verpflegung ist dabei allerdings bestenfalls durchschnittlich. Die griechische Küche hat – sofern nicht gerade gegrillt wird – fast nur lauwarme und weitgehend geschmacksfreie Matschkost zu bieten. Salat heißt immer „Bauernsalat“ und beinhaltet eine Peperoni sowie drei salzige Brocken Schafskäse. Dafür ist aber der Himmel immer blau. Man hat bloß nicht sehr viel davon, denn es wird furchtbar früh dunkel in Griechenland. Die Griechen gelten als überaus lax in der Buchführung und wenn man ihnen das vorhält, fangen sie sofort an zu demonstrieren. Sie haben Otto Rehagel gestattet, lebenslang die Busspur im Athener Straßenverkehr zu benutzen, weil er Griechenland zum Europameistertitel geführt hat. Das Land gilt als Wiege der Demokratie und der Homosexualität, was nicht unbedingt etwas miteinander zu tun hat. Die Akropolis wird überbewertet, besonders die in Oberhausen. Die Akropolis in Garbsen hingegen ist ganz ordentlich. Sie haben weder namhafte Automobilhersteller noch namhafte Weine in Griechenland.
Dasselbe gilt für die Iren. Die tragen dicke Koteletten und karierte Jacken, sitzen den ganzen Tag in der Kneipe, um abwechselnd Whisky und Guinness in ihre vermoosten Kehlen zu kippen und lästern über die Briten. Sie rauchen dabei aber nicht, denn in Irland ist das Rauchen in Kneipen verboten und darüber wird komischerweise dort weniger diskutiert als in Bayern. Die Iren essen gerne trockenes Brot mit viel Butter, das habe ich in der Werbung gesehen. Und sie verfertigen andauernd folkloristische Musik. Dafür benutzen sie kleine Pfeifen, sowie Pauken, Gitarren und Geigen und tanzen wie Hobbits. Alles ist grün an ihrem Land: Die Türen und Fensterläden ebenso wie die Wiesen und Wälder und die Landrover, in denen sie über ihre Weiden gurken, um die Zäune zu prüfen. Und das Wahrzeichen Irlands, das Kleeblatt, ist am grünsten. Früher war Irland entsetzlich arm, dann zwischendurch für drei Jahre reich und nun ist es wieder arm, wofür sie sich unter anderem bei den Griechen bedanken können. In amerikanischen Krimifilmen gibt es IMMER einen Sergeant, der irische Wurzeln hat. Meistens handelt es sich dabei um den unbestechlichen rauen und gutherzigen Kollegen, der im letzten Drittel des Films dran glauben muss. Vorher wird aber noch schnell der St. Patrick’s Day gefeiert. Der Schriftsteller James Joyce war Ire. Sein Buch „Finnegan’s Wake“ gilt als unübersetzbar, da bereits in der Originalfassung als unverständlich. Weitere Schriftsteller aus Irland: Samuel Beckett, William Butler Yeats, Oscar Wilde und Flann O’Brian. Auch Van Morrisson ist Ire und hat zumindest auf Photos immer schlechte Laune. Vielleicht liegt es am Wetter. Morrisson soll einmal für das Catering seiner Deutschland Tournee täglich ein Kilo M&Ms bestellt haben, und zwar nach Farben sortiert. Es regnet ziemlich häufig in Irland. Und dann dieser Nebel. Oder verwechselt man das nun mit Schottland?
Nächste Woche: Dänemark, Estland, Spanien und die Slowakei