Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Alterspräsident … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 30.08.2010

178_Europa aus dem Kopf (5)

Belgien, Lettland, Litauen, Großbritannien und Schweden

Teil fünf unserer kleinen Sommerserie. Was fällt einem ganz spontan in zwanzig Sekunden zu den Mitgliedsstaaten der EU ein?
Erster Gedanke über Belgien: Dort haben sie ausgezeichnete Pralinen. Und Pommes. Belgien ist nicht nur auf diese Weise das ambivalenteste Land der Erde. Es bietet zauberhafte Städte auf (Brügge), aber auch ganz grauenhafte (Brüssel). Es ist berühmt für Spitze, seine Comickünstler und für einen der schäbigsten Fälle von Kindesmissbrauch weltweit. Die Republik Kongo war einst eine belgische Kolonie und wurde von König Leopold so hemmungslos ausgeplündert, dass es den Belgiern noch heute peinlich ist. Weniger peinlich ist ihnen die europäische Bürokratie, die zwar auf ihrem Boden stattfindet, an der sie aber als Gastgeber nicht schuld sind. Die Flamen (Mehrheit) und die Wallonen (Minderheit) sind einander nicht grün. Für den Fall eines Bürgerkrieges kann man Belgien zwischen der Niederlande und Frankreich aufteilen oder die Provinzen sich selbst überlassen.
Lettland und Litauen heißen zwei von den drei Ländern, die oben rechts in drei quasi gleichgroßen Wohnungen übereinander im so genannten Baltikum wohnen. Lettland hat die Wohnung in der Mitte. Oben wohnen die Esten und unten drunter die Litauer. Manchmal klopfen sie and die Decke, wenn die Letten zu viel Lärm machen. Worin sich die Litauer von den Letten und diese von den Esten unterscheiden, vermag ich beim besten Willen nicht zu erahnen. Sie sind noch nicht lange dabei, daher scheint es nicht unbedingt eine große Schande zu sein, wenn man in Bezug auf diese Länder nicht viel weiß. Und man möchte auch nicht gleich von Zigarettenschmuggel und Fährunglücken anfangen. Diese Länder stehen auch noch für völlig andere Dinge. Es ist nur noch nicht raus, wofür genau.
Bei Großbritannien weiß man das schon lange. Es ist einer der wichtigsten Mitgliedsstaaten der europäischen Union. Und das, obwohl es alle anderen Länder Europas für Außenseiter hält und nie mitmacht, wenn es in Europa interessant wird. Die Mehrheit der Briten ist gegen den Tunnel nach Frankreich und den Euro. Die Briten haben das berühmteste Königshaus der Welt. Sie bauen gerne aber erfolglos Autos und pflegen einen großartigen Vereinsfußball, versagen jedoch mit ihren Nationalmannschaften zuverlässig seit über 40 Jahren. Und das, obwohl sie sogar mit drei Teams antreten: mit Wales, England und Schottland. Das Essen in Großbritannien ist atemberaubend schlimm, die Gerichte klingen psychedelisch und schmecken auch so, Lamm mit Minzsauce zum Beispiel. Briten mögen keinen Schaum auf ihrem Bier und gießen Essig über ihre Pommes. Sie haben die Popmusik erfunden und die moderne Literatur. London ist so entsetzlich teuer, dass niemand mehr dort wohnt. Gardinen werden von kleinen Motoren hin und herbewegt, damit die Touristen glauben, sie wären nicht alleine. Alle paar Wochen werden Musikfestivals im Wembley-Stadion abgehalten. Dabei treten immer Duran Duran und Elton John auf. Der britische Humor gilt als global wegweisend.
„Schweden ist das tollste Land der Welt,“ sangen Die Ärzte einmal. Da kann etwas dran sein. Die Liste der schwedischen Erfindungen ist lang. Hier ein Auszug: Pippi Langstrumpf, die Farbe Gelb, Lachshäppchen, Pornografie, sterbenslangweilige Krimis, Köttbullar. Letzteres steht symbolisch für all die großartigen Artikel im Sortiment von Ikea. Das Möbelhaus ist eine der führenden Ketten im Bereich der so genannten Systemgastronomie. Köttbullar ist der Döner des hungrigen Schweden. In Südschweden findet jedes Jahr der Weltmückenkongress statt, zu welchem Millarden von Stechmücken aus aller Welt anreisen, um sich über die dort urlaubenden Deutschen her zu machen. Stockholm gilt als Geheimtipp für Wochenendreisen. Nicht nur schwedische Frauen sind bildschön, sondern auch die Männer, zum Beispiel die komplette schwedische Fußballnationalmannschaft. Leider kann sie nicht Fußball spielen, darauf kommt es bei dem Sport aber schon an, Jungs. Gerhard Polt spricht Schwedisch.
Nächste Woche: Finnland, Tschechien und die Niederlande