Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Nachbar … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 13.09.2010

180_Europa aus dem Kopf (7)

Slowenien, Rumänien, Italien, Zypern und Deutschland

Der siebte und letzte Teil unserer kleinen Sommerserie. Was fällt einem ganz spontan in zwanzig Sekunden zu den Mitgliedsstaaten der EU ein?
Slowenien ist eine Art Blinddarm und hängt Österreich aus dem Bauch. Die Slowenen sind ausgezeichnete Skifahrer. Das Land konnte der EU beitreten, weil es von den Mitgliedern der darüber entscheidenden Gremien mit der Slowakei verwechselt wurde. Inzwischen ist jedermann ganz begeistert von Slowenien und man kann dort sogar Urlaub machen.
Die Bürger von Rumänien haben mit ihrem Diktator Nicolae Ceausescu ganz kurzen Prozess gemacht und ihn an Weihnachten 1989 nebst Gattin erschossen. Die Rumänen sind engagierte Tischtennisspieler und stellen einen Großteil des Personals weltweit populärer Gruselgeschichten. Neben dem schon erwähnten Ceausescu sind diverse Werwölfe zu nennen und der berühmte Vlad Draculea aus Transsylvanien, der das Vorbild für Bram Stokers Dracula abgab und seine Gegner mit Vorliebe pfählen ließ. Rumänische Männer sind tüchtig behaart, wie man bei Sportveranstaltungen sehen kann. Hauptexportschlager Rumäniens ist Kleinkriminalität. Peter Maffay kommt aus Siebenbürgen, wohnt aber schon lange im oberbayerischen Tutzing. Er knattert manchmal mit düsterer Miene auf seinem Motorrad durchs Dorf wie Vlad Draculae durch die Karpaten.
Die Italiener erfreuen sich in Deutschland einer Beliebtheit wie Schweinebraten, Sylt und Klaus Wowereit zusammen. Die Deutschen sind ganz wild auf Italien und alles, was damit in irgendeiner Form zusammenhängt. Die Italiener hassen die Korruption in ihrem Land. Sie schimpfen auf die Politik und auf die schmutzigen Gehwege. Und während sie dies alles tun, schmieren sie die Frau vom Bauamt, wählen die falsche Partei und schmeißen mit Bonbon-Papierchen um sich. Diese Lässigkeit fehlt uns. Italiener sind oft zu laut, wirken unkonzentriert und auf kindliche Art genusssüchtig. Selbst dies löst bei uns Deutschen und bei den meisten anderen Weltbewohnern überhaupt keine Ablehnung aus, sondern allenthalben Bewunderung und Neid. Die Italiener spielen mit ganz weitem Abstand den langweiligsten Fußball des Weltalls, dies jedoch bis vor kurzem mit Erfolg. Sie bauen Autos, die nicht fahren und Parkhäuser mit zu niedrigen Decken. Sie reden durcheinander und wohnen bis zu ihrem 35. Lebensjahr bei ihren Eltern. Aber sie leben nun einmal auf dem Stiefel, diesem Hotspot der guten Laune, diesem Zentrum der Nudeligkeit. Durch die Verschiebung der Landmassen im Laufe der Zeiten wird Italien in wenigen Millionen Jahren verschwunden sein. Afrika nähert sich Europa, das Mittelmeer verschwindet und Italien wird zerrieben wie ein riesiger Brocken Parmesan. Freuen wir uns an Italien, solange es noch da ist und stellen wir nicht allzu viele kritischen Fragen. Machen die Italiener ja auch nicht.
Zypern kennt man nur wegen des andauernden Zanks der griechischen und der türkischen Zyprioten um dieses Inselchen, welches meines Wissens bereits in Asien liegt. Zypern wirbt ausdauernd um Feriengäste. Ansonsten besticht der Staat durch seine Randlage im Alphabet, die durch den zweiten Buchstaben „y“ geradezu zementiert wird.
Bleibt nur noch: Deutschland. Das Hessen Europas, denn kein Land hat so viele Nachbarn wie wir. Die Deutschen sind in letzter Zeit sehr beliebt, was sie zu einem guten Teil ihren sportlich begabten Migrantenkindern verdanken. Die Deutschen geben sich viel Mühe, von den anderen Europäern gemocht zu werden, deshalb gibt es bei uns auch keine PKW-Maut. Die Deutschen führen fast gar keine Kriege, bauen keine Atomwaffen und versuchen sich an einer fortschrittlichen Umweltpolitik. Ihr Bildungssystem ist zwar Schrott und ein Teil des Landes verelendet, aber dafür haben sie viel mehr touristische Attraktionen und Gastfreundschaft zu bieten, als man jenseits unserer Grenzen glaubt. Die Deutschen geben sogar Mitleid heischend zu, dass sämtliche Vorurteile über Deutschland stimmen. Ist nicht gerade diese Unzulänglichkeit wahnsinnig sympathisch? Muss man uns nicht bitteschön wenigstens dafür mögen?