Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Alterspräsident … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 02.05.2011

213_Erbfolgen

Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht. Es ist auf keinen Fall so, dass ich etwas gegen das englische Königshaus hätte. Überhaupt nicht. Nein. Es interessiert mich nur nicht die Bohne. Mir ist die Familie Windsor völlig wumpe, latte, schnuppe, wurst. Wie überhaupt alle Monarchien dieser Welt. Ich kann die schon nicht voneinander unterscheiden, die schwedischen, die holländischen, dänischen oder spanischen Angehörigen diverser Königshäuser. Ich vermag nicht zu sagen, wer wozu gehört. Ich weiß wohl, dass ein bärtiger Prinz existiert, vermählt mit einer Dame, die sich bei Fotoaufnahmen die Haare angezündet hat. Wer war das noch mal? Ein Mann, dessen Name klingt wie ein Edelgas. Fällt mir nicht mehr ein. Bin ich ein Ignorant? Ja, schon. Aber die meisten Menschen kennen auch die Namen der meisten Edelgase nicht und die sind erdgeschichtlich nicht unbedeutender als die europäischen Königsfamilien.
Ich würde einen echten Windsor vermutlich nicht einmal erkennen, wenn er bei Aldi vor mir an der Kasse stünde. Ich wäre ein lausiger Untertan. Von Prinz Harry weiß ich bloß, dass er mit einer Hakenkreuzbinde am Oberarm besoffen auf Fotos zu sehen war. Was für ein lustiger Lausbub, ach ja. Oder war das William? Und die beiden möchten furchtbar gerne mal in den Krieg ziehen, habe ich gelesen. Vermutlich muss für sie irgendwo ein Krieg organisiert werden. Hübsche Jungs sind sie auf jeden Fall. Nach allem, was sich auf Fotos erkennen lässt, hat sich William recht geschickt aus dem segelohrigen Erbgut seines Vaters hervorgemendelt.
Sind Prinz Harry und Prinz William nicht auch irgendwie mit Prinz Ernst August von Hannover verwandt? Jawoll, sind sie. Ernst August steht übrigens auf einem nicht völlig aussichtslosen 395. Rang in der Thronfolge, wurde davon aber ausgeschlossen, weil er eine Katholikin geheiratet hat, nämlich Caroline von Monaco. Sie gehört zum Geschlecht der Grimaldis und das ist im Vergleich zur englischen Königsfamilie mehr so Reihenhausadel. Echt. Habe ich mir angeguckt, als ich mal in Monaco war. Da kann man den Palast besichtigen, aber er sieht ziemlich angeschrammt aus, besonders die Möbel. Alles voller Kratzer und Wasserkränze auf dem Esstisch.
Entschieden eindrucksvoller gestaltet sich im Fürstentum Monaco der Besuch des ozeanographischen Museums, in welchem ein Tiefseetintenfisch ausgestellt wird, der Schuppen hat. Man taufte ihn nach dem Fürstenhaus Lepidoteuthis Grimaldii, warum weiß ich nicht. Vielleicht hat Prinz Albert ja auch Schuppen, wobei: Der trägt die Haare sehr kurz, der Prinz Albert. Ernst August käme dafür eher in Frage.
Es ist eine schöne Sitte, dass Pflanzen und Tiere nach Adligen benannt werden. Auf diese Weise pflanzt sich ein Geschlecht leistungslos in Flora und Fauna fort und sichert den Fortbestand der Familie weit über die eigenen genealogischen Möglichkeiten hinaus.
Ein wenig langweilig mutet dabei die Tatsache an, dass so ziemlich jedes Mitglied irgendeines Herrscherhauses einmal Namenspate für eine Rose wird. Es existiert eine, die nach Lady Diana benannt ist und eine, die Fürst Bismarck heißt und eine Kaiserin Auguste-Viktoria-Rose gibt es ebenfalls. Das ist schön, verliert seine glamouröse Wirkung jedoch durch die gleichzeitige Existenz der Heidi-Klum– und der Roy-Black-Rose.
Nach Prince Charles ist immerhin eine zwar unbewohnte aber relativ große Insel in Kanada benannt worden. Sie wurde im Geburtsjahr des Prinzen entdeckt und beheimatet größere Bestände des Weißbürzel-Strandläufers und des Thorshühnchens.
Auch der gestrige Bräutigam von Kate Middleton ist bereits Namensgeber. Prinz Charles hat vor zwei Jahren eine auf den Galapagos-Inseln gefundene Schildkröte nach seinem Sohn William getauft. Kate liegt in dieser Hinsicht noch weit hinten, kann aber in den nächsten Jahrzehnten aufholen. Nach ihr sind bisher nur eine Bluse und eine Handtasche benannt worden. Aber wie gesagt, mir ist das vollkommen: egal.