Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Pubertierhalter … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 02.09.2013

335_Männersache

Die vierte und letzte Folge der diesjährigen Sommerakademie mit Erkenntnissen aus dem Pubertierlabor widmet sich dem Umgang des weiblichen Pubertiers mit männlichen Vertretern der gleichen Spezies. Der Versuchsleiter hat es sich zur Aufgabe gemacht die Begegnungen zwischen seinem Pubertier und gleichaltrigen oder wenig älteren männlichen Pubertieren genauestens zu beobachten und auszuwerten. In den vergangenen Monaten kam es mehrfach zu Kontakten, teils in der Versuchsanordnung, teils im natürlichen Vormittags-Habit der Pubertiere, der Schule. Von dort bringt das Pubertier allerdings nur sehr knappe und wenig aufschlussreiche Informationen über ihren Umgang mit männlichen Vertretern ihrer Art mit.
Ganz generell lässt es freiwillig wenig oder gar nichts über so genannte Jungs verlauten, erst recht nicht, wenn es Gefallen an einem Exemplar gefunden hat. Wenn es ein Männchen hingegen ablehnt, erfährt die Umgebung davon recht schnell und in deutlichen Worten. Der Versuchsleiter wurde bereits darüber in Kenntnis gesetzt, dass Jungen, die Fußball und Bushido gut finden, grundsätzlich das Letzte seien, totale Arschgranaten und Amateure. Der Versuchsleiter hat zumindest die eine Hälfte dieser Mitteilung zufrieden zur Kenntnis genommen. Und das mit dem Fußball, das wird sicher noch.
Das weibliche Versuchsobjekt ist mit Ansichten zu männlichen Pubertieren hingegen sofort überaus zurückhaltend, wenn diese ihr gefallen. Das kommt ausgesprochen selten vor und wenn, dann werden die wenigen positiv beurteilten Exemplare von ihr auffallend defensiv als „nett“ bezeichnet und in die Versuchsanordnung eingeladen, was den Versuchsleiter sehr freut, weil es seine Recherchen deutlich vereinfacht.
Der Versuchsleiter ist aus wissenschaftlicher Neugier immer schneller an der Tür, wenn es klingelt. Auf diese Weise kann er sich ein Bild von den Kandidaten machen, die allesamt bei ihm durchfallen. Der erste, Typ Flitzpiepe, ist nicht dazu in der Lage, auch nur „Hallo“ zu sagen und stampft wortlos in die Versuchsanordnung. Nummer zwei wird von dem Versuchsleiter für die blumenkohlöse Struktur seiner Gesichtshaut bedauert und schafft es unter starkem Schwitzen immerhin, dem Versuchsleiter die Hand zu geben und sich vorzustellen. Der dritte Besucher kommt mit dem eigenen Auto, was der Versuchsleiter ebenso argwöhnisch zur Kenntnis nimmt wie den sehr teuren Duft seines Rasierwassers. Dieser Kandidat ist genau genommen gar kein Pubertier, was der Versuchsleiter nach dessen Besuch in deutlichen Worten anspricht.
Der Versuchsleiter versucht daraufhin, dem Pubertier einen gewissen Achim schmackhaft zu machen, welcher nicht nur sehr gut in Latein ist, sondern auch Klarinette spielt und sich rührend um seine Fische kümmert. Das Pubertier entgegnet, Achim sei ein Vollhonk und bevor sie sich mit ihm treffe, kaufe sie sich lieber eine Pistole und schösse sich damit in den Fuß. Der Versuchsleiter notiert in diesem Zusammenhang, dass 14jährige Mädchen praktisch alle Burschen ablehnen, die ihnen von Eltern angedient werden. Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass für sie nur Pubertiermännchen in Frage kommen, die der Versuchsleiter als Null, Trottel, Erbschleicher oder Streuselkuchengesicht vermerkt hat. Der Versuchsleiter greift daher zu einer List: Er bezeichnet einen Burschen, den er sehr gerne mag dem Pubertier gegenüber als Bratwurst und Kellerkind und droht, ihn in Stücke zu reißen, wenn er ihn mit seiner Tochter an der Bushaltestelle erwische. Insgeheim hofft der Versuchsleiter, sein Pubertier auf diese Weise mit dem sehr angenehmen Max zu verkuppeln.
Doch dieser Versuch schlägt auf empörende Weise fehl. Bevor das Pubertier die Versuchsanordnung hinter sich schließt, sagt es noch müde: „Netter Versuch, Papa.“ Der Versuchsleiter überlegt bei einer Flasche Bier, das Labor zu schließen und sich fortan um seine eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Wobei: Die Kindheit seiner Tochter ist doch seine Angelegenheit, oder etwa nicht?