Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Fichten-Moped … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 31.03.2014

365_Gefahr aus dem Osten

Eine Einbruchswelle schwappte durch unser oberbayerisches Dorf. Das machte die Nachbarn ratlos und verängstigte einige von ihnen. Ulrich Dattelmann rief jeden Tag fünf Mal bei der Polizei an, um besondere Vorkommnisse zu melden, obwohl er gar nichts gesehen hatte. Aber auf diese Weise sorgte er dafür, dass die Polizei fünf Mal am Tag bei ihm vorbeischaute und so zumindest sein Eigenheim sicherte. Nach einer Woche drohten ihm die Streifenpolizisten mit einer amtlichen Klatsche und einer Anzeige. Also verlegte sich Dattelmann darauf, seine Nachbarn zu aktivieren. Das kann er gut. Er ist Sprecher der Schulpflegschaft und am Wandertag zählt er mit der Klickzähler-App auf seinem Handy die Kinder, die Lehrer und Eltern durch. Wer sich dabei bewegt, muss zur Strafe den dicken Jungen aus der siebten Klasse tragen. Egal. Dattelmann regte nun die Aufstellung einer abendlich patrouillierenden Bürgerwehr an, die dann wochenlang mit ihren Taschenlampen jedes für Einbrüche in Frage kommende Eichhörnchen sowie alle anderen Dorfbewohner ausgiebig anleuchtete.
Um die Gemüter zu beruhigen kündigte die Polizei einen Info-Abend zur Einbruchsverhütung an. Der Saal des Gasthofes war knallvoll, als Kommissar G. seinen Laptop einschaltete, welcher Tipps enthielt, die der Beamte an die Wand beamte. Um Einbrüche zu vermeiden gilt es demnach, Türen und Fenster mit Sicherheitstechnik aufzurüsten. Das missfiel den Bürgern. Sie hätten gerne früher angesetzt, denn hat der Einbrecher einmal den Kuhfuß in die Tür gestemmt, ist das Bargeld praktisch futsch, Sicherheitsfenster hin oder her. Früher ansetzen bedeutete aber eine Diskussion, die in einem bayerischen Gasthof schnell die Grenzen des zivilisatorisch Vorstellbaren sprengt. Denn eigentlich hatte die Einbruchsserie zwei Ursachen, die es zu bekämpfen gilt: Die EU-Osterweiterung und die Emanzipation der Frau.
Schließlich ist erstens die Emanzipation Schuld daran, dass die Frau als solche seltener zuhause ist, weil sie sich ja unbedingt im Beruf verwirklichen will. Und wenn keiner da ist, dann ist die Bahn frei für den Einbrecher, welcher zweitens ungehindert aus Osteuropa heranströmt, und zwar aus Rumänien. Der Rumäne hat dabei den Polen abgelöst, welcher an Akzeptanz gewonnen hat, auch weil er in der Vergangenheit (Podolski) und in der Zukunft (Lewandowski) zur Mehrung des Ruhms des FC Bayern München beigetragen hat oder beitragen wird. Im Laufe des Abends setzte sich jedenfalls der Begriff „Rumäne“ als Synonym für „Verbrecher“ durch.
Und der Befund war klar: Hat ein Karpate die Grundstücksgrenze überwunden ist der deutsche Heim– und Grundbesitzer am Arsch. Dichte Thuja-Hecken in einer Wohnsiedlung bieten einen ausgezeichneten Sichtschutz und ermöglichen es dem Eindringling aus dem Osten, selbst gut gesicherte Fenster und Türen geduldig aufzuhebeln, denn wenn ihn niemand dabei sehen kann, ist das ja nicht riskant. Es empfiehlt sich deshalb die Planierung des Grundstückes sowie seine ständige Ausleuchtung mit 5000-Watt-Strahlern. Nachbar Böhmer regte an, immer 300 Euro in Bar auf den Esstisch zu legen, um die Gier des Rumänen schnell zu befriedigen. Der Polizist bemerkte dazu, dass dies womöglich die Gier eher potenzieren könne. Und Dattelmann brachte die Frage auf, ob man so einen Rumänen eigentlich straflos erschießen dürfe, worauf der Kommissar einschränkend bejahte: „Aber nur in Ihrem Wohnzimmer. Nicht auf der Straße.“
Von Hunden hielt Kommissar G. wenig, denn die meisten seien heute leider zahm und verwöhnt. Der Rumäne führe deshalb neben einem langen Schraubenzieher stets ein Wiener Würstchen mit sich, welches entweder nach getaner Arbeit als Proviant oder zur Bestechung von willfährigen Familienhunden diene. Der Abend endete ergebnisarm, weil der Polizist sich nicht auf die Abschiebung sämtlicher Osteuropäer festlegen lassen wollte. Aber Nachbar Berghold erzählte noch von seiner ebenso pfiffigen wie wirkungsvollen Methode zur Abschreckung. Er habe ein Schild betextet und am Gartentor aufgehängt. Darauf stehe: „Meine Alarmanlage hat vier Pfoten.“ Da sagte der Kommissar: „Das ist an sich keine schlechte Idee. Nur: Der Rumäne, der kann ja gar kein Deutsch, der kann das gar nicht lesen.“