Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Personenvereinzelungsanlage … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 15.09.2014

388_Im Labor (Ärgern)

Heute Erkenntnisse zum Thema „Wie man ein Pubertier ärgert“. Das ist im Grunde einfach. Ein fünfzehnjähriges Pubertier ärgert sich nämlich über alles, und ganz besonders über seine Eltern. Diese ärgern sich umgekehrt über das Pubertier. Im Grunde ärgern sich also immer irgendwie alle. Der Versuchsleiter hat in diesem Zusammenhang bei sich selbst zuletzt einen gewissen Vatertrotz bemerkt. Dieses Phänomen tritt auf, wenn vom Vater ein großer Gefallen erwartet wird, obwohl sich das Pubertier wenige Minuten zuvor benommen hat wie der tasmanische Teufel. Der Vatertrotz wird vom Pubertier in der Regel als „kindisch“ und „typisch“ bewertet, was wiederum den Vater ärgert.
Am vergangenen Samstag zum Beispiel wird das Pubertier gebeten, das Wohnzimmer zu staubsaugen. Es teilt umgehend mit, dass es sich nicht um sein Wohnzimmer handele und man es gefälligst selber saugen möge. Dann saugt es unter Gefluche und zudem ausgesprochen nachlässig. Anschließend fragt das immer noch wütende Pubertier, ob der Versuchsleiter als Gegenleistung Wodka und Red Bull vom Einkaufen mitbringen könne, für Justins Abschiedsparty am Abend. Justin soll für einige Zeit das Land verlassen. Lehrer, Eltern und Nachbarn haben für den Tag nach seiner Abreise eine eigene Party vereinbart.
Jedenfalls verweigert der trotzige Versuchsleiter die Anschaffung von Energydrinks und Russensprit und muss sich dafür anhören, dass er „kindisch“ und „typisch“ und zudem „ein alter Spießer“ sei. Darüber ärgert er sich so sehr, dass er beschließt, das Pubertier abends im Kreise seiner Artgenossen zurück zu ärgern. Außerdem will er sehen, wie es in Gesellschaft darauf reagiert. Er fährt also später das Pubertier zu Justins Adresse und überhört die Anordnung, hundert Meter entfernt zu parken. Stattdessen hält er direkt vor dem Haus, vor welchem bereits männliche Pubertiere mit interessanten Frisuren versammelt sind. Er kennt einige, weil sie schon mal in der Versuchsanordnung waren
Der Versuchsleiter öffnet die hintere Wagentür, worauf das Pubertier ihm zuzischt, er könne sich jetzt verdünnisieren. Da ruft der Versuchsleiter, so eine Feier mit elektrifizierter Musik sei sicher herrlich und er wolle mal sehen, ob es dort Alkohol gebe. Die Drohungen seiner Tochter beantwortet er mit einer Gegendrohung. „Wenn ich nicht gucken darf, gehe ich erst recht rein und schreie ganz laut durch den Garten: „Yo, Papa Checker is in the House.“ Derart eingeschüchtert lässt das Pubertier den Versuchsleiter gewähren und dieser begrüßt sämtliche ihm bekannten Pubertiere mit Handschlag und stellt Fragen nach etwaigen Berufswünschen. Das Pubertier versteckt sich solange hinter dem Grill.
Dann besucht der Versuchsleiter Justins Eltern, die sich auf Geheiß ihres Sohnes den ganzen Abend in ihrem Schlafzimmer aufhalten müssen und nicht raus dürfen. Als er nach einer halben Stunde wieder in den Garten kommt, sieht er sein Pubertier mit einer Zigarette in der Hand und nutzt dies zu einem ausführlichen Vortrag über den Zusammenhang von Nikotingenuss und zwergenhaftem Wachstum. Dann erzählt er den umstehenden Pubertieren die besten Saufgeschichten aus seiner Jugend. Das Pubertier fordert ihn nun ultimativ dazu auf, die Party zu verlassen, was er geschickt um mindestens zehn Minuten verschleppt. Schließlich geht er, weil sich in seiner Gegenwart die Feier nicht recht entwickeln will.
Im Auto bemerkt er, dass das Pubertier seinen iPod auf dem Rücksitz hat liegen lassen. Also geht er zurück, um es ihm zu bringen. Das Pubertier reagiert darauf unwirsch und kündigt an, am nächsten Tag für immer das Labor zu verlassen, wenn der Versuchsleiter nicht endlich abhaue. Dieser zieht ab, denn das Pubertier ärgert sich nun tatsächlich sehr. Doch für den größten Verdruss sorgt keineswegs der Versuchsleiter, sondern Lea, des Pubertiers beste Freundin. Als der Versuchsleiter das Grundstück verlässt, hört er Lea nämlich deutlich sagen: „Also ich weiß gar nicht, was Du hast, ich finde deinen Vater echt lustig.“ Die Verwünschungen seines Pubertiers hört der zufriedene Versuchsleiter noch bis zum Auto. Er setzt sich hinein und macht sich Notizen. Fazit des Versuchs: Eltern sind für Pubertiere schon ärgerlich, aber kein Vergleich zu besten Freundinnen.