Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Bahn-Opfer … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 03.08.2015

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Manuel Neuer hat im Kicker Auskunft über das quasi symbiotische Verhältnis zu seinen Sponsoren gegeben. „Ich wähle Partner, hinter denen ich auch stehe. Es muss zu mir passen. Allianz zum Beispiel steht für Rückhalt, wie ich als Torwart auch. Coke Zero steht für das Zu-Null, das ich immer schaffen will; Sony für die Schärfe des Bildes, die ich auch benötige“. Und nun wird Neuer dafür in den sozialen Medien kritisiert und seine angeblich von einem PR-Berater ausgeknobelte Aussage als Schleichwerbung diffamiert. Dabei war Neuer vermutlich nur ehrlich. Der ist wirklich so, glaube ich. Eine gewisse Flexibilität muss man als Profisportler schon aufbringen.
Bei seinem Vorgänger Oliver Kahn ist da allerdings etwas schiefgelaufen. Der wirbt für einen Anbieter von Sportwetten. Vielleicht hat man gedacht, dass man damit das Clever & Smart-Image des studierten Masters of Business Administration auf ein eher profan-prolliges Produkt übertragen könne. Tatsächlich verläuft der Transfer aber eher umgekehrt. Sportwetten sind böse. Bei allen Menschen, die Erfahrung mit Spielsucht bei sich oder anderen gemacht haben, steigt Kahn mit seiner Werbetätigkeit ungefähr in den Beliebtheitsrang eines Crackdealers hinab. Vielleicht war das aber auch Kalkül, weil der Kahn früher manchmal so böse geguckt hat. Vor diesem Hintergrund wäre sein Casting schon wieder brillant.
Genau wie das von Jürgen Klopp für Opel. Das passt super, besonders zur vergangenen Saison, wo Klopps Mannschaft lange Zeit dem Abstieg nahe war. Genau wie die Pleitemarke Opel! Ganz schön schlau. Jedenfalls schlauer als die Kaugummi-Werbung mit Klopps einstigen Spielern Mats Hummels, Marco Reus und Alpha-Kevin Großkreutz. Letzgenanntem gelang es, den Text für das Produkt derart verstockt herunter zu leiern, dass man fürchten muss, dass er dafür kein Geld, sondern eine Tracht Prügel erhalten hat. Mit mir als Berater wäre das nicht passiert. Ich hätte für Großkreutz einen Partner gefunden, der besser zu ihm gepasst hätte. Zum Beispiel ein Matratzengeschäft. „Eine für jedes Kreutz“, das wäre mal ein Slogan gewesen.
Auch für Philipp Lahm hätte ich perfekte Werbepartner. Er kann wunderbar für Kindermöbel, Kinderspielzeug, Kinderwundpflaster, Kindersturzhelme und Kinderschokolade werben. Nicht nur, dass er einen hohen Vertrauensvorschuss in allen Alterskohorten der Bevölkerung genießt und als fairster Abwehrspieler des Universums das personifizierte Gute verkörpert, er passt auch in alle Kinderprodukte mühelos hinein! Ein Universalgenie, möchte man sagen. Und auch für den Neuen bei Bayern, Arturo Vidal, habe ich eine Idee: „Uschi’s Frisurenkiste“ aus Bad Freienwalde könnte mit dem Konterfei des emsig frisierten Chilenen werben. Slogan: „Aussehen Vidal. Schnitt plus Kopfmalerei mit Filzstift ab 15 Euro.“
Auf jeden Fall freue ich mich wie verrückt auf die kommende Saison und würde mir sehr wünschen, dass sich die Schleichwerbung endlich auch bei Spielfeld-Interviews durchsetzt. Frage des Reporters: „Herr Neuer, Sie haben heute im Tor sehr gut ausgesehen. Wie machen Sie das?“ Antwort: „Ich verwende täglich Head & Shoulders, das bin ich auch den Gegenspielern schuldig. Schließlich kommt man sich im Strafraum sehr nahe und der erste Eindruck zählt bekanntlich doppelt. Da will man keine Schuppen auf dem Trikot.“ Reporter: „Vielen Dank.“ Neuer: „Gern geschehen.“