Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Bahn-Opfer … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 04.01.2018

558_Mein Horoskop 2018

Wenn man bloß wüsste, wie es so weitergeht im nächsten Jahr. Vielleicht hilft ein Blick in die Sterne. Also habe ich nach meinem Horoskop für 2018 gesucht, aber so etwas gibt es nur in Frauenzeitschriften. Das ist diskriminierend, aber auch egal, denn die Astrologie ist nicht geschlechterspezifisch. Erster Befund der Recherche: Horoskope zu schreiben muss ein harter Job sein, ungefähr so, wie in einem Steinbruch im Ural Gleiskiesel zu kloppen.
Elizabeth Teissier macht das schon sehr sehr lange, sie ist der Bahlsen-Keks im Horoskop-Business. Sie schreibt in der „Tina“ und rät mir, im Juli und in der zweiten Septemberhälfte nicht alles auf eine Karte zu setzen. Wobei die Warnung in Liebesdingen nicht zu gelten scheint, denn ich habe Flirtalarm, und zwar vom 10. bis 20. Juli – und im September. Na toll, was denn nun? Diese Verheißung steht im krassen Widerspruch zu den Erkenntnissen in der „Emotion.“ Dort ist im Juli und September nämlich gar nichts, aber „Anfang Juni kommt Venus ins Spiel“. Hallo? „Emotion“? Weißt Du nicht, was im Juni ist? Da ist Fußball-WM, da habe ich keine Zeit für solche Kinkerlitzchen. Dieses Horoskop muss man als Blindgänger bezeichnen, während jenes in der „Madame“ sehr detailliert über das Schicksal berichtet. Jedenfalls, wenn man am 26.10 Geburtstag hat. Dann soll man nämlich im April die Finger von dem einen Mann lassen. „Er ist es nicht wert, dass sie ihm eine Nanosekunde ihrer Zeit widmen, er spielt bloß mit ihren Gefühlen.“ Na hoppla, da habe ich noch mal Glück gehabt, denn ich habe erst am 28.10. Geburtstag. Im Gegensatz zu Elizabeth Teissier glaubt die Madame übrigens, dass es für mich im September super läuft: “Die Zeit vom 10.9. bis zum 31.10. ist wie aus Gold gesponnen.“
Apropos Gold. „Das Goldene Blatt“ ist eine völlige Enttäuschung, denn das Jahreshoroskop der aktuellen Ausgabe deckt nur die Zeichen Widder bis Jungfrau ab. Skorpion ist erst in der nächsten Ausgabe. Was für eine Pleite. Dafür stehen andere Sensationen in dem Heft. Auf dem Cover sind wie immer Florian „Habedieehre“ Silbereisen und der Schlagerpanzer Helene Fischer zu sehen. Und darunter brennt die Titelzeile „Es ist soweit“. Und im Innenteil erfahren wir dann die ganze Wahrheit. Es nämlich fast schon: Weihnachten! Diese Verarsche ist aber nichts im Vergleich zum Horoskop in „Woche für mich“. Darin steht nämlich gar nichts, außer dass in Liebesdingen die Devise gilt: „Verwöhnen und verwöhnen lassen“. Na super. Dann lieber weiter zur „Brigitte“. Sie verweist auf die Strahlkraft des Jupiters, macht aber ebenfalls keine konkreten Ansagen, wann genau etwas passiert.
Die „Für Sie“ ruft das Venus-Jahr aus und erklärt mir, dass Jupiter in meinem Zeichen stünde und das Glück auf Umwegen komme. Aber es kommt. Die „Für Sie“ hat ein Mantra für mich und es klingt wie das Mantra für Menschen mit Verstopfung: „Was kommen will, lass kommen, Was gehen will, lass gehen.“ Gänzlich daneben liegt das Horoskop der „Vogue“. Ich solle mich nicht davon bremsen lassen, kein Geld zu haben oder die Katze füttern zu müssen. Außerdem könne es sein, dass mir meine Schwester Flugtickets nach Afrika schenkt. Liebe „Vogue“: Ich habe weder eine Katze, noch eine Schwester. Lügenpresse! „Glamour“ bewegt sich ebenfalls auf dünnem Eis und mahnt, mich beim Balztanz zu entspannen. Ausweislich der „Glamour“ träume ich zudem von Partner-Tattoos und soll mich im April mit Sport ablenken. Es wäre sehr schön, wenn ich wüsste, wovon ich mich ablenken soll, aber gut. Dafür begegnet mir nach dem 16.11. mein Traummann, der sich nicht von mir dominieren lässt.
Diese Horoskope sind alle doof, außer das von der „Myself.“ Hier war eine Poetin von hohem Rang am Werk. Der beste Satz lautet: „Venus installiert die Standleitung zum Kosmos, dort ist für Sie in der Kategorie „Glückliche Fügung“ die Flatrate gebucht.“ Darin steckt eine tiefe innere Wahrheit, die jeder Mensch kennt, der bei der Telekom eine Flatrate bezahlt. Man denkt, man sei glücklich. Und dann wird plötzlich die Geschwindigkeit gedrosselt. So ist das Leben. Und so wird 2018. Eigentlich wird es: wie jedes Jahr. Danke, „Myself“.