Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Bahn-Opfer … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 06.05.2019

629_Das neue Familienmitglied

Es mag Nachteile haben, wenn man nicht mit seiner Frau zusammenwohnt. Zum Beispiel kann man nicht mit wehleidigem Gesicht Kaffee bestellen und so tun, als hätte man keine Zeit, selber welchen zu machen. Wobei es natürlich sein kann, dass man genau deswegen nicht mehr zusammenwohnt. Und es fehlt auch hier und da eine Ansprechpartnerin, die man mit geschliffenen Großvorträgen unterhalten kann.
Ich bin sehr gut in Monologen, besonders wenn mir Dinge nicht gefallen. Zum Beispiel nervt mich, dass ich nun auch noch den Kompost vom Müll trennen soll. Meine Küche sieht bereits aus wie ein Wertstoffhof. Ich besitze Behälter für das Glas, für Plastik, für Papier und für Abfall. Und dabei bleibt es. Sollte das Kompostsammeln demnächst gesetzlicher Zwang werden, bin ich bereit, mich nackt vor das Münchner Amtsgericht zu ketten, um dagegen zu protestieren. Darüber kann ich sehr ausführlich sprechen. Da Sara und ich jedoch in zwei Haushalten leben, muss ich sie dafür entweder anrufen, oder ich führe Selbstgespräche. Aber ich langweile ich mich dabei schnell, denn ich weiß immer schon, was als nächstes kommt.
Das Nichtzusammenleben hat aber auch große Vorteile. Man muss nicht ständig aufräumen, wenn einem nicht danach zumute ist. Man kann im Fernsehen Programme ansehen, für die man von der Frau verachtet würde. Man kann mit seinem Sohn so viele Fischstäbchen braten wie man will und es gibt keine Chia-Samen dazu, sondern die Spezi aus der Flasche mit dem psychedelischen Etikett. Das ist im Prinzip nicht das schlechteste Leben.
So ähnlich wird Sara das auch sehen, denn sie hat jetzt eine Entscheidung getroffen, die sie mit mir als Mitbewohner niemals in die Tat hätte umsetzen können. Sie hat sich nämlich eine Katze gekauft. Ich hasse Katzen nicht, ich kann sie nur nicht ausstehen. Für mich teilt sich die Welt in Hunde– und Katzenmenschen. Und auch ohne einen Hund zu besitzen, würde ich mich eher auf dessen Seite stellen. Hunde sind einfach bessere Menschen als Katzen. Einwände gegen diese These sind zwecklos. Ein schuldbewusst auf den Gehweg kackender Hund erinnert mich einfach stärker an mich selbst als eine Katze, die eine tote Amsel vor die Tür legt. Und damit basta.
Komischerweise mögen mich jedoch Katzen. Wenn ich Katzenhaushalte betrete, werde ich sofort umschlichen. Sobald ich mich hinsetze, springt mir eine Katze auf den Schoß und bleibt dort für Stunden. Es spricht nicht für ihren Verstand, weil ich sie wirklich nicht darum bitte. Aber ich finde mich irgendwann damit ab und kraule mechanisch an ihnen herum, was wiederum nicht für meinen Verstand spricht. Im Grunde gewinnen sie gegen mich, wie ich soeben feststellen muss. Dennoch wäre ich nie ein Katzentyp, weil mich dieses Gescharre im Katzenklo traumatisiert. Und das Futter stinkt. Einen Kauknochen für große Hunde hingegen könnte ich mir mit etwas gutem Willen als Snack auf langen Autofahrten vorstellen.
Und nun hat also Sara einen kleinen Kater gekauft. Ich besuchte sie, weil ich das Tier ansehen sollte und ich fand es auf Anhieb sehr hübsch, das muss ich zugeben. Keine Ahnung, wie die Sorte heißt, aber es handelt sich um einen Burschen mit einem sehr ausdrucksstarken Gesicht und einer länglichen Körperform. Ich finde, er sieht ein wenig aus wie ein Dackel. Nick und Carla waren begeistert. Sie spielten mit ihm und er spielte zurück und beim derzeitigen Stand seiner Entwicklung halte ich es für möglich, dass aus ihm noch ein Hund werden kann, wenn er sich viel Mühe gibt.
Ich fragte dann, wie das Tier heiße und Sara antwortete, dass ihr noch kein guter Name eingefallen sei. Eigentlich baue sie auf mich. Dann erklärte sie mir, der Kater sei aus einem T-Wurf, man benötige daher einen Namen, der mit „T“ beginne. Die bisherigen Vorschläge seien jedoch nicht adäquat. Tiffany sei kein Jungenname, Tiger sei nicht originell und Tarzan irgendwie doof. Mir ist dann tatsächlich was eingefallen. Angesichts der Tatsache, dass es sich um einen T-Wurf handelt und das Tier etwas dackelesk auf mich wirkte, kam ich auf folgenden Vorschlag und so heißt das Biest jetzt auch und auf diese Weise habe ich positiv zu diesem Katzenleben beigetragen. Der Name von Saras Kater lautet: Teewurst.