Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Fichten-Moped … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 02.11.2020

706_Lieber Lacher oder Schocker?

Vor einigen Tagen wurde ich zu einem sehr inspirierenden Thema befragt: Wäre die Ära Trump aus künstlerischer Sicht eher ein Stoff für eine Komödie oder für eine Tragödie? Film oder Serie? Wie würde man das verfilmen? Und wie würde die ganze Geschichte enden?
Noch vor zwei Jahren hätte ich darauf geantwortet: Ganz klar eine Komödie, was denn sonst? Ein vollkommen unfähiger größenwahnsinniger Trottel regiert als wichtigster Staatsmann der Welt die Vereinigten Staaten und es kommen nur Peinlichkeiten, Misserfolge und Fehlleistungen dabei heraus, weil der Kerl sich zwar für genial und unfehlbar hält, aber schon an den kleinsten Gesten von Empathie oder Großmut scheitert und anstatt zu regieren lieber Golf spielen geht, wobei er auch noch andauernd bescheißt.
Den Topos des tölpelhaft an sich und seiner Unzulänglichkeit scheiternden Despoten gibt es immer wieder und immer erfolgreich. Peter Ustinov hat ihn als Nero verkörpert, Michael Palin als Pontius Pilatus und Sascha Baron Cohen besonders drastisch als General Aladeen. Eine Komödie wäre also vermutlich die beste Form, den Wahnsinn der Trumpschen Präsidentschaft in Szene zu setzen. Hätte ich wie gesagt vor zwei Jahren noch geglaubt.
Ich hätte vorgeschlagen, man müsse eigentlich nur die furchtbarsten Ausrutscher und Dummheiten von Donald Trump sammeln und in eine anekdotische Reihenfolge bringen. Und eine kleine Rahmenhandlung erfinden, zum Beispiel einen Staatsbesuch in Europa, bei dem der Präsident Teile des Kontinents erwerben möchte und schließlich zum Mond fliegt, um die seiner Überzeugung nach dort lebenden kommunistischen Lunatics von einem Handelsabkommen zu überzeugen. Am Ende wird seine Rückkehr unmöglich gemacht, aber wir sehen Trump in einer Mondstation beim Essen mit dem Besitzer des Planeten, der ihm vorschlägt, darauf einen riesigen Golfplatz zu bauen. Abschläge fliegen dort um die 400 Kilometer weit. Der Geschäftsmann Trump ist hingerissen und freut sich über den Deal.
Naja. Vor zwei Jahren gab es auch noch sehr ulkige Internet-Memes über den Präsidenten. Aber das ist inzwischen vorbei und die Welt hat erkannt, dass nichts, aber wirklich gar nichts an dem Mann lustig ist. Sein Narzissmus und die völlige Abwesenheit von Mitmenschlichkeit erzeugen zwar durchaus komische Momente, haben aber vor allem bittere Folgen für die Amerikaner, die inzwischen tief gespalten, regelrecht verfeindet in ihren jeweiligen gesellschaftlichen Gruppen auf düsteren Ideen brüten.
Und genau da würde die dystopische und kein bisschen witzige Serie beginnen, die ich gegenwärtig zum Thema Trump vorschlagen würde. Sie ähnelte am ehesten dem postapokalyptischen Szenario der Zombie-Saga „The Walking Dead“.
Im Zentrum der Handlung stünden Widerstandskämpfer, die ein paar ihrer Mitglieder ins Weiße Haus eingeschleust haben. Dort versuchen sie, die größten Schäden des Präsidenten durch kluge Manöver und Intrigen irgendwie abzuwenden. Das hat reale Vorbilder. Immer wieder wird von verzweifelten Versuchen der im Weißen Haus beschäftigten Diplomaten berichtet, die etwa wichtige Vorlagen verschwinden lassen oder den Präsidenten ablenken, damit er vergisst, bestimmte falsche Entscheidungen zu treffen.
Trump selber würde in der Serie eher am Rande auftauchen, seine Aussprüche und Ausbrüche würden in den Nachrichten gezeigt oder von den Mitarbeitern kommentiert. Die Widerstandskämpfer müssten ständig Angst vor der Enttarnung haben und ihre Gegenspieler wären eiskalte Rechtsextremisten, die ihrerseits den tumben Staatslenker nur als Marionette missbrauchten, um eine Sammlungsbewegung aus christlichen Fundamentalisten, Ku-Klux-Klan-Anhängern und Waffenfetischisten dauerhaft an die Macht zu bringen. Auch deren Vertreter würden sich in Anzug und Krawatte im Weißen Haus tummeln.
Etwa ab der dritten Staffel wäre die USA als Gesellschaft vollkommen zerrieben und steuerte auf einen Bürgerkrieg zu, den der Präsident als Rettung des Landes bezeichnete. Wie gesagt, eine ernste Sache. Es ist Schluss mit lustig. Viel lieber würde mir eine richtig lustige Komödie einfallen. Aber dafür muss Joe Biden die Wahl gewinnen.