Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Beinscheibe … Impressum
Mein Leben als Mensch — Verfasst am 16.08.2021

747_Messi könnte Milliarden machen

Der tränenreiche Abgang von Lionel Messi beim FC Barcelona hinterließ bei meinem Sohn Ratlosigkeit. Nick war der Meinung, dass Messi dabei alles falsch machte. Richtig wäre seiner Meinung nach gewesen, wenn der beste Fußballer des Planeten einfach gesagt hätte: „Leute, hört mal zu: Ich habe mich entschlossen, auf mein Gehalt zu verzichten, damit der FC Barcelona finanziell wieder auf die Beine kommt. Ich spiele ab jetzt für umme.“
„Das wäre eine feine Geste gewesen,“ antwortete ich. Immerhin hat Messi in einundzwanzig Jahren eine halbe Milliarde Euro beim FC Barcelona verdient. Da kann man mal Verzicht üben. Er würde das nicht einmal merken. „Er müsste doch auf gar nichts verzichten,“ sagte Nick. „Im Gegenteil. Was meinst Du, was man da für Werbeverträge abschließen kann? Er hätte mit seinem Image als bester Mensch der Welt mehr verdienen können als mit Fußball.“
Das stimmt wahrscheinlich, klingt aber in dieser Berechnung unfassbar eklig. Und plötzlich war ich der Meinung, der fiese Messi-Minion solle einfach künftig in Paris das Geld fürs am Fußball fummeln in den Rachen geworfen bekommen, anstatt Kinder zum Kauf von Süßwaren oder Klamotten oder Playstation-Spielen anzustiften.
Lionel Messi kann sich jedenfalls dank seines Talentes kaufen, was er will. Das unterscheidet ihn von mir. Ich bin zwar zumindest theoretisch ebenfalls ein fabelhafter Fußballer, weil ich immer weiß, wo der Ball hin müsste, wenn ich Fußball im Fernsehen sehe. Aber ich verdiene damit leider kein Geld und muss deshalb viele Jahre mit der Anschaffung neuer Autos, Fernseher oder Klamotten warten. Zu meinem großen Verdruss liege ich sogar im Vergleich zu praktisch jedem Zweitliga-Fußballer bedrohlich hinten. Ich setze meiner Existenz konsumtechnisch höchstens dann ein mattes Krönchen auf, wenn ich neue Produkte aus dem Kühlregal ausprobiere. Und in diesem Zusammenhang muss ich hier dringend warnen.
Es macht sich nämlich in letzter Zeit in meinem Supermarkt das so genannte Skyr breit. Keine Ahnung, was das wieder soll. Laut Wikipedia handelt es sich um eine Art isländischen Frischkäse, bei dem es sich jedoch um ein großes Molkerei-Missverständnis handelt. Das Zeug schmeckt wie feuchtes Katzenstreu und besitzt auch eine ähnliche Konsistenz. Laut meines allwissenden Sohnes enthält Skyr viel Protein und eignet sich daher als Sportlernahrung, wobei man bezweifeln darf, dass Lionel Messi so etwas freiwillig verspeist. Er isst vermutlich Sahne-Joghurt mit Blattgold.
Jedenfalls warne ich vor Skyr, auch vor jenem mit darin vermanschten Obst. Es ist, als verzehre man Füllspachtel mit Erdbeergeschmack. Diese Enttäuschung könnte man nun mit einer Online-Anschaffung vergessen machen, aber meine Amazon-Empfehlungen sind in letzter Zeit so seltsam. Seit kurzem legt mir der offensichtlich von der Sommerhitze in der Serverfarm verrückte Algorithmus lauter Sachen ans Herz, von denen ich nicht einmal weiß, wozu sie gut sind.
Zum Beispiel der Stubai 211 882416701 Profi-Streifenschneider mit Schnittbreite 10 bis 200 Millimeter. Kann man damit Profis in Streifen schneiden? Und wenn ja, warum? Oder der optische und akustische Kantentaster mit zwei Zentimeter-Schaft. Als könnte ich meine Kanten nicht mit den Fingern tasten. Und wieso empfiehlt mir Amazon Knipex-Schonbacken für 9,84 Euro? Und was macht man mit einer Affleureuse? Die Welt wüsste es, wenn, ja wenn Lionel Messi dafür werben würde. Aber der muss ja für teuer Geld Fußball spielen.