Jan Weiler: Autor, Kolumnist, Blumenkohl … Impressum

Drachensaat

Erschienen im September 2008

Für die „Drachensaat“ kam ein Hörbuch von vornherein nicht in Frage. Viel zu viele Rollen, viel zu viele unterschiedliche Szenen, viel zu viel Wahnsinn, besonders im dritten Teil des Buches. Dafür bot sich eigentlich nur eine richtig große Hörspielinszenierung an. Es ist bei weitem die ambitionierteste und anspruchsvolle Produktion, bei der ich bisher mitgemacht habe. Ich bin Renate Schönbeck vom Hörverlag sehr dankbar dafür. Eigentlich bin ich ihr sowieso unablässig dankbar.

Das Hörspiel schildert den merkwürdigen Fall einer Gruppe von scheinbaren Psychotikern, die in einer Privatklinik auf die Idee kommen, einen Industriellen zu entführen und mit ihm eine Talkshow zu veranstalten. Die Allgemeinheit soll gezwungen werden, sich diese TV-Sendung anzusehen. Auf diese Weise will die Gruppe namens „Drachensaat“ den so genannten „Normalen“ ihre Weltsicht und ihre Moral näher bringen und hofft auf eine bürgerliche Revolution.

Diese Geschichte wurde zunächst wieder von Leonhard Koppelmann (den ich „Kapellmann“ oder sogar „Kapellmeister“ nennen darf, ohne dass er widerspricht) bearbeitet und auf das genaueste zusammengeköchelt. Das könnte ich nie. Dann haben wir das Ensemble zusammengestellt und ich hatte die große Ehre, den Erzähler machen zu dürfen. Es ist aber immer noch etwas seltsam für mich, zwischen lauter Profis am Mikrofon sitzen zu dürfen. Mit von der Partie sind: Matthias Haase, Annette Frier, Baki Davrak, Andreas Grothgar, Hartmut Stanke, Bodo Primus, Martin Bross, Helmut Everke, Juan-Carlos Lopez, Sandra Limoncini, Tanja Schleiff, Edda Fischer und mein Verleger Alexander Fest, der ein besonderes Lob dafür verdient, dass er sich ganz ausgezeichnet selber spielt.

Besonders die Umsetzung des dritten Teils des Romans finde ich faszinierend. Aus der Medien-Collage im Buch hat Leonhard Koppelmann eine wüste Toncollage mitsamt Werbe-Jingles und atemlosen Reporter-Aufsagern gemacht. Ich habe so eine Art von Hörspiel noch nicht erlebt. Felicitas von Lovenberg schrieb in der FAZ, dass sie den Roman sehr gut, das Hörspiel aber noch viel besser fände.
Schon eine Frechheit, irgendwie.